Montagskaffee #7

Guten Morgen.

George Orwells dystopisches Meisterwerk 1984, in dem er bereits 1954 den dämonischen Hybriden aus totalitärem System und technologisierter Überwachung skizzierte, ist zurzeit in aller Munde. Nicht nur Gegner des Überwachungsstaates führen den Roman als Mahnung für mehr Datenschutz und Datensicherheit ins Feld, auch im Hinblick auf den Krieg in der Ukraine lohnt sich eine neue Lektüre. Timothy Snyder vergleicht im „Tagesspiegel“ das Vorgehen Putins in der Ukraine mit den Geschehnissen in Orwells Roman und führt dabei nicht nur den etwas wackeligen Vergleich zwischen dem fiktiven „Eurasien“ und einer gleichnamigen russischen außenpolitischen Doktrin ins Feld, sondern vor allem die russische Propaganda. Diese zeige auffällige Parallelen zum orwellschen „Doppeldenk“, das darauf beruht, dass Menschen „gleichzeitig zwei Meinungen vertreten können, die sich widersprechen, und trotzdem an beide glauben“. So müsse Russland eingreifen, weil der ukrainische Staat repressiv sei – und zugleich müsse es intervenieren, weil es keinen ukrainischen Staat gebe. „Krieg ist Frieden“.

Cornelius Gurlitt kommt nicht zur Ruhe. Nun hat man, nachdem der Münchener Kunsthändler am 6. Mai verstarb, in einem Koffer, den Gurlitt angeblich im Krankenhaus dabei hatte, einen weiteren Monet gefunden. So langsam gerät die Geschichte zur Posse, vermutlich taucht demnächst noch ein Picasso im Sockenfach auf.

Die Diskussionskultur im Internet war noch nie mit einem philosophischen Seminar vergleichbar, selbst an den oft zitierten Stammtischen pflegt man in der Regel weltoffenere und freundlichere Umgangsformen. Negative Spitzenreiter waren dabei stets Nonsensplattformen wie 4chan oder 9gag, aber auch Googles Videoplattform YouTube hadert seit je her mit Trollen, Rassisten und allerlei Unflat. Dass auch die viel kritisierte Einbindung der YouTube-Kommentare ins konzerneigene Netzwerk Google+ nichts gebracht hat, äußert sich nun an prominenter Stelle: Der mit mehr als 30 Mio. Abonnenten weltweit erfolgreichste „Let’s Player“ PewDiePie hat die Kommentarfunktion unter seinen Videos deaktiviert, wie „Golem“ berichtet. Dauerhaft, wie er selbst meint. Der erste ist er damit allerdings nicht, auch andere Größen wie der Brite John „TotalBiscuit“ Bain gingen bereits diesen Schritt. In Bains Fall sogar unmittelbar nach der Umstellung. Als Alternativen werden immer wieder Reddit, Twitter und Facebook genannt, wo die Interaktion mit den Zuschauern direkter und gehaltvoller sei.

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Über Tobias Illing

Germanist und Kulturmanager mit angeborener Lust zu Lesen und einem Zweitwohnsitz im Internet. Autor von https://paginasecunda.wordpress.com Zeige alle Beiträge von Tobias Illing

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