Montagskaffee #10

Guten Morgen.

Keine Fragmente aufbewahren, niemals Fragmente aufbewahren. Niemals Germanisten ranlassen. Freunde bitten, Briefe etc. zu vernichten. Journalisten mit der Waffe in der Hand vertreiben.

So steht es in Wolfgang Herrndorfs Testament, doch für seinen Fragment gebliebenen letzten Roman Bilder deiner großen Liebe hat er dann doch noch eine Ausnahme erteilt. Unfertig soll er erscheinen, ohne jeden „Germanistenscheiß“. Er wusste wohl, was ihm droht: Das übliche Panorama vom vorgeworfenen Epigonentum bis zur Stilisierung und Aufsockelung neben die berühmten Kollegen, seine Isa Schmidt neben dem Woyczeck, neben Lenz. Iris Radisch passiert nun in etwa dieser „Germanistenscheiß„, wenngleich man es ihr kaum verübeln kann. Wer Tschick oder zuletzt Herrndorfs Blog Arbeit und Struktur gelesen hat, kann sich über die Bedeutung der Bilder deiner großen Liebe nur sicher sein. Am 26. September ist das Fragment erschienen und auch die Seite zwei zeigt sich gespannt.

Liebhaber literarischer Listen, die schon vor einigen Wochen die SciFi-Liste goutierten bekommen jetzt neues Futter. Maria Popova stellt auf brainpickings.org The Top Ten: Writers Pick Their Favourite Books vor. 125 Autoren aus dem englischsprachigen Raum wurden dazu befragt, die jeweiligen top zehn mit einer Punktebewertung analysiert, et voilà, schöne neue Statistiken. Allen anderen sei Eva Arnaszous Rezension von Dalia Grinkevičiūtės Aber der Himmel – grandios in der Kritischen Ausgabe ans Herz gelegt. Der Roman spricht vom Unaussprechlichen, vom häufig verschwiegenen Leid litauischer Zwangsarbeiter im sowjetischen Gulag. 1939 wurde das Land im Rahmen des Hitler-Stalin-Pakts erst dem Reich, später doch der Sowjetunion „zugeschlagen“, militärisch unterminiert und per Beschluss eines inszenierten Volksparlaments der Sowjetunion angeschlossen. „Die Geschichte wiederholt sich“, hat Marx einmal gesagt und recht behalten.

Zur Musik. Es sind verrückte Zeiten. Malcom Young, Mitbegründerbruder von AC/DC, der als bester Rhytmusgitarrist der Welt gilt, zieht sich aus dem Musikgeschäft zurück. Wie es heißt, aus Gesundheitsgründen. Schon die aktuelle Platte sei die erste Scheibe der australischen Rocker, die ohne ihn entstand. Fans müssen jedoch nicht verzagen, die Saiten bleiben in der Familie: Neffe Stevie Young übernimmt seinen Part. Und während Jason Oranges Weggang von Take That sicher wieder für reichlich Drama sorgt und die Ost-Altrocker der Puhdys, City und Karat eine gemeinsame Scheibe herausbringen, hat auch Pink Floyd angekündigt, nach jahrzehntelanger Ruhe wieder eine Platte zu veröffentlichen. Das Vier-Seiten-Album besteht hauptsächlich aus bereits vor Jahren aufgenommenem Instrumentalmaterial und ist eine Hommage an den 2008 verstorbenen Keyboarder Rick Wright. Beim Rolling Stone ist schon die Tracklist und ein 30-sekündiger Clip des neuen Albums zu finden.

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Über Tobias Illing

Germanist und Kulturmanager mit angeborener Lust zu Lesen und einem Zweitwohnsitz im Internet. Autor von https://paginasecunda.wordpress.com Zeige alle Beiträge von Tobias Illing

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