Montagskaffee #15

Guten Morgen.

Große Neuigkeiten: Joanne K. Rowling schreibt für die Weihnachtstage ganze zwölf neue Geschichten rund um Harry Potter! Aufruhr! Begeisterung! Das Internet steht Kopf! Oder? Wie sich herausstellt, tut sie das nämlich mitnichten. Oder zumindest nicht in dem Umfang, wie man es jetzt vielleicht erwarten würde. Vielmehr sind die angekündigten zwölf Geschichten nichts mehr, als zwölf kleinere tägliche Updates auf der Plattform „Pottermore“, auf der sich begeisterte Fans der Serie rund um den überbegabten Zauberschüler austauschen können. Kleinere Updates durch Rowling, die hinter der Plattform steht, sind aber völlig normal und gehören dort dazu, ja, werden sogar erwartet. Was ist also passiert? Nur das übliche: Die ätzend-klebrige Mischung aus Gerüchten, Stiller Post, bewussten Missdeutungen, hysterischen „Medien“ und der nur allzu bereitwillig mitkreischenden Webzwonullmasse. Dabei mal ehrlich, wollte nach dem völlig überflüssigen Epilog zu Band 7 wirklich jemand noch mehr erfahren?

Wer sich etwas tiefgründiger fürchten will, für den gibt es nun eine neue kommentierte Ausgabe der Werke von H.P. Lovecraft, die Charles Baxter auf TheNewYorkReview of Books vorstellt. Baxter stellt dabei fest, dass Lovecrafts typische Art zu schreiben und eine Welt aus Schock und Furcht zu gestalten, zwar keinen allzu hohen literarischen Ansprüchen genügen kann, wohl aber den Geist besonders Jugendlicher zu fesseln weiß. Lovecraft selbst, der einst sagte „Adulthood is hell“, schrieb ständig gegen die Welt der Erwachsenen und gegen den Verlust von Traumwelten an – und seien es die Welten furchterregender Alpträume. Für die über 800 Seiten starke Gesamtausgabe wurden Lovecrafts Texte, einst in Pulp-Magazinen erschienen, mit sorgfältigen Fußnoten, Anmerkungen und Illustrationen versehen. Trotz Lovecrafts unerträglichem Rassismus und Misogynie zeigt sein Werk den namenlosen, unbestimmten Schmerz einer – seiner – gequälten Seele und spiegelt, so schließt Baxter, die Erwartungshaltung der Adoleszenz: Das Universum wünscht uns nichts Gutes, Nirgendwo findet sich Liebe und die Wiedergeburt in diese Welt wäre eine Katastrophe.

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Über Tobias Illing

Germanist und Kulturmanager mit angeborener Lust zu Lesen und einem Zweitwohnsitz im Internet. Autor von https://paginasecunda.wordpress.com Zeige alle Beiträge von Tobias Illing

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