Noli timere messorem – Zum Tod von Sir Terry Pratchett

The sun goes down upon the Ankh,
And slowly, softly fades –
Across the Drum; the Royal Bank;
The River-Gate; the Shades.

A stony circle’s closed to elves;
And here, where lines are blurred,
Between the stacks of books on shelves,
A quiet ‚Ook‚ is heard.

A copper steps the city-street
On paths he’s often passed;
The final march; the final beat;
The time to rest at last.

He gives his badge a final shine,
And sadly shakes his head –
While Granny lies beneath a sign
That says: ‚I aten’t dead.‘

The Luggage shifts in sleep and dreams;
It’s now. The time’s at hand.
For where it’s always night, it seems,
A timer clears of sand.

And so it is that Death arrives,
When all the time has gone…
But dreams endure, and hope survives,
And Discworld carries on.

(Poem_for_your_sprog via Reddit)

Am 12. März ist Sir Terry Pratchett im Alter von 66 Jahren in seiner Heimat in England gestorben. Mit Pratchett geht einer der großen Geister der Fantasy-Literatur, der mit scharfer Feder in mehr als 40 Romanen Generationen von Lesern zu begeistern wusste.

Seine Scheibenwelt-Romane sind ein rücksichtsloser Rundumschlag durch Bilder, Topoi und Konventionen von Fantasy, Märchen und Mythologien, deren irrlichternde Charaktere, stets changierend zwischen charmanter Bauernschläue und komplettem Irrsinn, stets auch eine spitze Satire unserer Gegenwart darstellen und sich dem oft kanonischen Ernst der Fantasy widersetzen.

Seine Romane gleichen Wimmelbildern, deren Komplexität sich dem Leser nicht über den ersten Eindruck vermitteln kann, sondern widerholte Lektüre einfordern, im Idealfall unterfüttert durch das Heranziehen weiterer Romane, die stets neue Bezüge und Details erklären. Pratchett war ein Meister darin, kuriose Details an einer Stelle bewusst unerklärt zu lassen, um sie an anderer Stelle mit betonter Nonchalance und Nebensächlichkeit zu erklären. Daraus ergibt sich die Vielschichtigkeit und Vernetzung seiner Scheibenwelt, die so viel mehr ist als die mit akademischem Aufwand erdachte Welt Mittelerdes.

In Pratchetts Welt gibt es keine Normalität. Für ihn war der beständige Zweifel an der Wirklichkeit Methode; jede Begebenheit konnte hinterfragt und überzeichnet werden, um die Absurdität des Alltäglichen in unserer Welt zu erleuchten.

Pratchett litt an einer posterioren kortikalen Atrophie (PKA), einer alzheimer-ähnlichen Erkrankung, die er selbst eine „Embuggerance“ nannte. Den Tod fürchtete er nicht. Noli timere messorem heißt es auf dem ihm 2010 vom Clarenceux King of Arms verliehenen Wappen – Fürchte den Sensenmann nicht. In einer ganzen Romanreihe hat Pratchett dem Tod nicht nur den Schrecken genommen, sondern ihn zu einem beinahe tragischen, zumindest jedoch sympathischen Charakter gemacht. Der Tod ist nicht grausam, höchstens schrecklich. Schrecklich gut in seinem Job – Und für die Wichtigen nimmt er sich persönlich Zeit. Es ist zu hoffen, dass er und Sir Terry eine lange und aufschlussreiche Unterhaltung führen konnten.

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Über Tobias Illing

Germanist und Kulturmanager mit angeborener Lust zu Lesen und einem Zweitwohnsitz im Internet. Autor von https://paginasecunda.wordpress.com Zeige alle Beiträge von Tobias Illing

One response to “Noli timere messorem – Zum Tod von Sir Terry Pratchett

  • DasRallum

    Ein großartiger Schriftsteller. Ich selbst habe den Roman: „Eine Insel“ von Terry Pratchett zu Hause im Bücherregal stehen. Dieser Roman, der mich über einige Weltansichten grübeln ließ, welche ich zuvor als „Ist so, weil ist eben so!“ im Kopf hatte, hat mir die eine oder andere schlafarme Nacht beschert.

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