Montagskaffee #26

Guten Morgen.

Der musikalische Teil des NSK-Staats (früher Künstlerkollektiv „Neue Slowenische Kunst“), Laibach, hat es geschafft, als erste westliche Band überhaupt in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang zu konzertieren. Damit ist den subversiven Musikern, die seit 1980 für anhaltende Irritation und Verwirrung bei eher eindimensionaleren Feuilletonisten stiften, ein Meisterstück gelungen. Wie die SZ treffend formuliert, war es ein Konzert der wohl provokativsten Band im wohl ironiefreisten Staat der Welt. Leider ist es wohl auch Teil dieser herrlich irrwitzigen Ironie, dass das Niemandem in Nordkorea aufgefallen ist. Laibach provoziert und verstört, der von der Band überzeichnet portraitierte dysfunktionale Totalitarismus sorgt hierzulande für Debatten und Faschismusvorwürfe, in Nordkorea aber trifft er auf sein gelebtes Konterpart. Wenn die slowenischen Musiker in Uniform zu martialischen Klängen nordkoreanische Volkslieder interpretieren, halten sie den anwesenden Parteisoldaten einen Spiegel vor, ohne dabei im Geringsten lustig sein zu wollen. Gerade weil die dargestellte Absurdität so sehr der nordkoreanischen Realität entspricht und die Partei selbst zu dieser verstörenden Einlage eingeladen hat, kann und darf niemand seine Empörung äußern. Von einem comic relief durch Lachen ganz zu schweigen. Für Laibach ist die Welt eine Bühne. Absolut.

Apropos nicht beabsichtige Komik: Wer noch vor einer Weile lakonisch kommentierte, eher veröffentliche Harper Lee eine Fortsetzung als George R.R. Martin, hatte ja kürzlich auch die Lacher auf seiner Seite. Auf weitere Überraschungshits von vor 50 Jahren müssen wir aber wohl verzichten, bei einer gründlichen Durchsuchung des ominösen Schließfaches der mittlerweile 89-jährigen Autorin sind keine weiteren unpublizierten Manuskripte entdeckt worden. Das zumindest meldet das Wall Street Journal. Neben dem originalen Typoskript von To Kill a Mockingbird enthalte das Depot einen früheren Entwurf des Romans als Typoskript und eine spätere, überarbeitete Version. Letztere dürfte zumindest aus editorischer Sicht hochinteressant sein. Aber wer weiß, schon die Entdeckung des Manuskripts von Go Set a Watchman war ja eher merkwürdig.

Zuletzt noch eine Personalie: Die Ufa springt auf einen aktuellen Trend auf und führt eine Doppelspitze ein, in die der bisherige Ufa-Fiction-Chef Nico Hofmann aufrückt. Zumindest bis September 2017 soll er jetzt zusammen mit dem bisherigen Allein-Chef Wolf Bauer an der Spitze stehen, dann werde dieser abtreten und sich nur noch als Produzent beteiligen. Die Produktionsfirma verkauft das als weise Personalpolitik angesichts digitaler Transformationsprozesse und auch die Presse und die Branche klammern sich an die Idee vom Wunderkind-Hofmann als „moderner König Midas“ (Berliner Zeitung) und Retter der „alten Tante Fernsehen“ (Handelsblatt). Trotzdem kann ich den Eindruck nicht abschütteln, dass hier der Junge vom Alten erst einmal an die Hand genommen wird, statt ihm einfach Vertrauen zu schenken und ihn mal machen zu lassen. Aber dem Fernsehen ist es ja schon immer schwer gefallen, mal auf ein anderes Pferd zu setzen, wenn das alte angefangen hat zu riechen.

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Über Tobias Illing

Germanist und Kulturmanager mit angeborener Lust zu Lesen und einem Zweitwohnsitz im Internet. Autor von https://paginasecunda.wordpress.com Zeige alle Beiträge von Tobias Illing

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