Quo vadis pagina secunda?

Reich ist, wer Zeit zur Hand hat. Hat das mal ein schlauer Mensch gesagt? Falls nicht: Ist es denn nicht so? Gibt es denn heute nicht unzählige Dinge, die um unsere knapp bemessene Aufmerksamkeit und Zeit buhlen? Arbeit, Alltag, Freizeit – kaum etwas scheint heute so abwegig wie Müßiggang und Leerlauf.

Euch aufmerksamen Lesern der Seite Zwei wird nicht entgangen sein, dass mein vor einiger Zeit angekündigtes Ziel, die Beitragsfrequenz wenn nicht zu erhöhen, so doch zumindest konstant zu halten, in den vergangenen Wochen etwas gelitten hat. Doch keine Panik: An dieser Stelle folgt kein vorzeitiger Abgesang.

Vielmehr soll, letztlich auch zur eigenen Motivation, der kommende Weg etwas näher beschrieben, sozusagen ausgekundschaftet werden. Wohin also soll die Reise gehen?

Die Seite Zwei ist mittlerweile kein neues Blog mehr. Es hat sich ein ordentliches Beitragsarchiv angesammelt und es finden sich interessierte, manchmal sogar regelmäßige Leser ein. Das ist schön. Reicht das? Vielleicht. Gleichzeitig erscheint es mir geboten, die Sache etwas ernsthafter, organisierter anzugehen. Hier kommt ihr ins Spiel – Ihr, deren Blogs ich manchmal so neidvoll beäuge, die Regelmäßigkeit eurer Beiträge, die vielen Interaktionen und die aktive, lebendige Gemeinschaft, die ihr mit euren Leserinnen und Lesern geschaffen habt.

Zuvorderst soll es in Zukunft einen Plan geben, was wann geschrieben wird, um diesen nagenden Gedanken abzuschaffen, der mich immer wieder mit rostiger Stimme daran erinnert, dass ich mir doch noch eine Idee für den Blog ausdenken, noch ein Buch für eine Rezension lesen müsse. Pscht.

Jetzt kann man das gleich mal übertreiben und sich bei Scompler eine ganze Kampagne zusammenfrickeln. Ich fürchte aber, dass das den Anlass mit einer Wagenladung Aufwand erschlagen und in einem Aufwasch begraben würde. Am anderen Ende des Spektrums stehen dann Zettelwirtschaft und Excel-Tabellen, die bei mir sofort Assoziationen von Dachbodenmuff und verrosteten Scharnieren wecken. Gibt es da nicht etwas dazwischen? Habt ihr Erfahrungen mit Redaktionsplänen und was nutzt ihr dafür? Es gibt im Weltweitnetz doch sonst für alles eine Nischenlösung, warum also nicht auch für kleine Ein-Schreiberling-Buchblogs? Immerhin will ich hier nicht die Content-Strategie für ein neues Start-up organisieren …

Womit wir bei den sozialen Medien angekommen wären. Bislang streue ich meine Beiträge lediglich über die automatische Abonnenten-E-Mail und Twitter. Ahja, und an meinen alten Tumblr, der aber mittlerweile praktisch stillgelegt ist. (Nutzt das noch jemand? Kennt der- oder diejenige zufällig mein Passwort?) Das Ergebnis ist mau bis übersichtlich, mehr als den einen oder anderen Besucher erreiche ich darüber nicht. Da sind sogar die gelegentlich bei reddit gestreuten Links wirkungsvoller. Hier möchte ich auf jeden Fall ansetzen.

Mein privater Twitteraccount ist eine eher unkoordinierte Sammlung aus misanthropischem Frustgemurmel und Kulturmanagement-Themen, zwischen denen der Bücheranteil zuweilen unterzugehen droht. Hier will ich die Zielgruppen etwas schärfer trennen und der Seite Zwei einen eigenen Kanal widmen, auf dem es dann vorrangig nur noch um Literatur, das Lesen und Kulturthemen gehen soll. Digitale Kulturpolitik und Zynismus dann wie gehabt an gewohnter Stelle. Seit ein paar Tagen ist bereits der neue Kanal unter @seitezwei erreichbar. Apropos Erreichbarkeit: Die Seite Zwei ist seit ein paar Tagen auch direkt über die etwas freundlichere Adresse paginasecunda.net zu finden.

Nun sag, wie hast du’s mit Facebook?

Damit zur Gretchenfrage, zum dunkelblauen Elefanten im Raum. Kommt man drumherum? Sicher. Verpasst man damit ein ohnehin vorhandenes Netzwerk? Ebenso wahrscheinlich. An diesem Punkt bin ich gespalten und ratlos. Soll eine ‚Fanpage‘ her? Muss die Seite Zwei zu Facebook? Was sind eure Erfahrungen mit dem Giganten? Lohnt es sich für ein kleines Blog? Erreicht man darüber tatsächlich so viel mehr Leser? Da ich selbst das Netzwerk nicht nutze – und auch nicht vorhabe, es in Zukunft privat zu nutzen – kann ich auch hier auf kein bestehendes Netzwerk aufbauen und müsste von Grund auf neu beginnen. Während das sicherlich machbar ist, bleibt die Frage: Lohnt sich das? Hier würden mich eure Erfahrungen interessieren – sowohl als Leser- wie als Bloggerinnen.

Zum Abschluss noch ein Versprechen: Die Seite Zwei wird, auch wenn mal wieder Durststrecken und Löcher im Redaktionsplan auftreten sollten, so bald nicht verschwinden. Ich habe da noch Ideen für neue Formate, die ich gerne ausprobieren würde. Unter anderem möchte ich die Büchertouren ausbauen und öfters einmal von draußen berichten. Vielleicht kann man ja auch den #Montagskaffee wiederbeleben. Gibt es denn etwas, was ihr vermisst?

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Über Tobias Illing

Germanist und Kulturmanager mit angeborener Lust zu Lesen und einem Zweitwohnsitz im Internet. Autor von http://www.paginasecunda.net Zeige alle Beiträge von Tobias Illing

7 responses to “Quo vadis pagina secunda?

  • Töff

    Join the blue side… we have cookies – and they tell google everything! :-D

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  • Marion

    Hallo Tobias,
    was facebook angeht, bin ich persönlich der Meinung, dass man sich das schenken kann. Ich (und viele andere) habe den Eindruck, dass es immer schwerer wird, dort wirklich LeserInnen zu erreichen, wenn man nicht bereit ist, Geld dafür zu bezahlen. Tatsächlich ist meine Follower-Zahl dort im Vergleich zu twitter ein Witz. Was aber auch so eine Art self fulfilling prophecy ist – ich schreibe da seltener was, weil es eh keiner liest, meinem Account folgt keiner, weil ich nie was schreibe und nicht mit anderen Accounts interagiere. Fast alle, die ich bei facebook erreiche, erreiche ich auch bei twitter. Tatsächlich überlege ich gerade, ob es nicht sinnvoller wäre, stattdessen noch instagram (oder so) mit reinzunehmen. Aber ich hab halt auch keine Lust, die Social Media-Aktivitäten in Stress ausarten zu lassen.
    Auf jeden Fall bin ich aber gespannt auf die weitere Entwicklung der Seite zwei!

    Liebe Grüße,
    Marion

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    • Tobias Illing

      Danke dir Marion!

      Was du sagst, bestätigt meine Erwartungen. Auch ich fürchte, dass FB nur dann wirklich erfolgreich sein kann, wenn man etwas mehr Arbeit investiert. So ganz kostenlos schenkt einem Herr Zuckerberg die Reichweite nicht mehr. Bei Twitter ist das ja im Grunde nicht grundlegend anders – dort finde ich mich aber schon zurecht und kann auf ein gewisses Grundnetz zurückgreifen. Vielleicht belasse ich es erst einmal dabei.

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      • Marion

        Bei mir waren die Voraussetzungen sogar umgekehrt. Ich war vorher privat bei fb und hatte da auch schon Seiten betreut. Bei twitter war ich total skeptisch. Da war ich vorher nicht und hatte auch echt Schwierigkeiten am Anfang. Wie weit sich die follower-Zahl in kurzer Zeit auseinander entwickelt, hatte ich unterschätzt.

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  • Christina

    Hallo Tobias,

    Was Facebook angeht, stimme ich Marion vollkommen zu. Ich bin da zwar privat angemeldet und poste neue Beiträge in der ein oder anderen Gruppe. Aber meine eigene Seite habe ich schon nach kurzer Zeit wieder gelöscht. Ich habe dort einfach nichts gepostet oder geschrieben, aber immer saß mir die Meldung „Du hast seit xx Tagen nichts gepostet“ im Nacken, sobald ich online war. Dafür fehlte mir aber die Zeit. Und am Ende lohnt sich die Mühe nicht. Gleiches gilt für Instagram. Angemeldet, knapp 30 Fotos gepostet und nach einem Jahr wieder gelöscht. Instagram fand ich sogar immer furchtbarer. All die Fotos und Stories kann ich eh nicht verarbeiten, trotzdem hing ich da täglich fast eine halbe Stunde fest, weil man schaut ja doch immer wieder rein. Also weg damit.
    Auf Twitter fühle ich mich hingegen wohl, das scheint mir ungezwungener. Aber dort bist du ja mittlerweile auch angekommen.

    Viele Grüße, Christina

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    • Tobias Illing

      Danke für deine Rückmeldung Christina!

      Ich fürchte auch, dass ich mir mit Facebook nur noch eine weitere Stressquelle aufbürden würde. Letztlich ist wohl keines der Netzwerke mehr ein Selbstläufer, aber Facebook hat es von allen noch am besten verstanden, Reichweite zu Geld zu machen.

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