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Benvenuti! Willkommen in Bamberg!

Pünktlich zum Beginn der Kellersaison heißt das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia Bamberg zwölf neue Künstlerinnen und Künstler als Stipendiaten an der Regnitz willkommen. In diesem Jahr kommen die europäischen Gäste aus Italien und bringen la dolce vita in die Bischofsstadt. Vorgestellt werden die Neuankömmlinge am Mittwoch um 19 Uhr im Künstlerhaus von Direktorin Nora-Eugenie Gomringer. Der Eintritt ist wie üblich frei. Neu und sozusagen als Bonus und Rückschau auf das vergangene Jahr ist die zeitgleiche Ausstellungseröffnung Z.E.I.C.H.(N.)E.N. von Petrine Vinje aus Norwegen, die bis März als Stipendiatin in Bamberg weilte und mit ihren Installationen zum Flanieren durch Villa und Barockgarten einlädt.

Villa Concordia (Tilman2007 – CC BY-SA 3.0)

Aus literarischer Sicht interessant sind von den diesjährigen Stipendiaten Andrea Bajani, und Tiziano Scarpa aus Italien sowie Nadja Küchenmeister und Jan Koneffke aus Deutschland. Letzterer dürfte sich in Bamberg auskennen, war er doch 2005 schon für eine Lesung in der Villa zu Gast und hatte im Jahr 2001 die Poetikprofessur der Uni Bamberg inne.

Die weiteren Künstlerinnen und Künstler sind in der Sparte Musik Lucia Ronchetti und Simone Movio (Italien) sowie Mark Andre und Hanna Eimermacher (Deutschland). Als Bildende Künstler sind Francesca Grilli und Gabriela Oberkofler (Italien) sowie Wolfgang Stehle und Johannes Evers (Deutschland) vom Kuratorium des Künstlerhauses ausgewählt worden. Alle Stipendiaten sind bis März 2017 in Bamberg vor Ort – reichlich Zeit also, sie bei der einen oder anderen Veranstaltung in der Villa kennenzulernen.


Montagskaffee #28

Guten Morgen.

Navid Kermani erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und selten war ich mit einer Preisvergabe so einverstanden. Navid Kermani, Autor, Intellektueller, Orientalist und Muslim, versteht es, die vermeintlichen Grenzen zwischen Glaubensgemeinschaften und Atheisten, zwischen der deutschen Kultur, dem Grundgesetz und westlichen Werten einerseits und orientalischer Mystik und dem Glaubensverständnis des Islam auf der anderen Seite zu vermitteln. Diese Vielschichtigkeit zeigt sich auch in seinen brillanten Reden, sei es die Rede zum 65. Jubiläum des Grundgesetzes oder sein Auftritt auf der Anti-Kögida-Demonstration im Herbst vergangenen Jahres, wo er alle Kölnerinnen und Kölner zu Toleranz und Miteinander, aber auch zu Reflexion und Nachdenken aufrief. Ganz gleich, ob sie an Gott oder den FC, oder wie in seinem Falle „Gott und den FC“ glaubten. Auch in seiner Frankfurter Rede anlässlich der Friedenspreisverleihung wies Kermani auf die Widersprüche zwischen einer demonstrativen Willkommenskultur in Deutschland und dem internationalen Desinteresse am Morden in Syrien und dem Irak hin. Der größte Fehler der internationalen Gemeinschaft sei es, so wenig gegen den „Massenmord vor unserer europäischen Haustür“ zu unternehmen.

Gleichzeitig betonte Kermani, dass er allen entschieden widersprechen müsse, die sich mit der Argumentation, die Gewalt habe nichts mit dem Islam zu tun, billig aus der Affäre ziehen wollten. Wie schon in Köln vor einem Jahr betonte er auch in Frankfurt, dass sich der Islam selbst mit der zunehmenden Gewalt und Radikalisierung auseinandersetzen müsse. Es reiche nicht, die Gewalt als unislamisch bei Seite zu schieben. Zwar hätten die „maßgeblichen theologischen Autoritäten“ der islamischen Welt die Ansprüche des IS widerlegt und aufgezeigt, wie dessen Praktiken den Lehren des Islam widersprächen, doch würden sich in der muslimischen Welt weiterhin staatliche Autoritäten auf den Koran berufen, „wenn sie das eigene Volk unterdrücken, Frauen benachteiligen, Andersdenkende, Andersgläubige, anders Lebende verfolgen, vertreiben, massakrieren“. Der Islam befinde sich in einem Kampf mit sich selbst und sei dabei, seine eigene tolerante Tradition mehr und mehr abzuschaffen. Die Liebe zu sich selbst und damit die Liebe der Muslime zum Islam, dürfe sich nicht im Schwärmerischen äußern, sondern in der Selbstkritik. Das Schwärmerische laufe Gefahr, zu schnell in Selbstlob, Narzissmus und Selbstgefälligkeit zu verfallen. „Wer als Muslim nicht mit ihm hadert, nicht an ihm zweifelt, nicht ihn kritisch befragt, der liebt den Islam nicht.“ Eine Einstellung, die übertragbar ist auch auf unsere Gesellschaft, ihr Werteverständnis und ihre Geschichte.

Zuletzt noch Neuigkeiten aus Bamberg: Rainer Lewandowski hat nach 26 Jahren die Intendanz des Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Theaters niedergelegt. Auf ihn folgt die zuvor in Bonn tätige Sibylle Broll-Pape, die sich gleich mit vollem Elan und großen Ambitionen in die neue Spielzeit gestürzt hat. Öffnung zum Publikum, 14 neue Stücke, darunter fünf Uraufführungen – ein stattliches Programm für ihre erste Spielzeit. Die erste Uraufführung, das Stück Rechtes Denken von Konstantin Küspert scheint zumindest schon einmal gut anzukommen und liegt mit seiner Betrachtung rechter Ideologien, Verstrickungen und Verführungen mitten im aktuellen Diskurs.