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Re: Montagskaffee

Es ist vollbracht.

Nun, zumindest sind die meisten Bücher ausgepackt und nur noch einige wenige Kartons übrig. Wie sich herausgestellt hat, braucht man immer ein Regal mehr als zuvor, insbesondere wenn man zwei Hausstände und damit auch zwei Büchersammlungen zusammenlegt. Immerhin ist wieder Zeit für Lektüre und damit auch Zeit für die Seite Zwei.

Der geneigte Leser (ja, alle beide) darf an dieser Stelle also zukünftig wieder Beiträge erwarten, auch wenn sich an Häufigkeit und Regelmäßigkeit wohl nichts ändern wird. Es bringt einfach wenig, einen Zeitplan zu versprechen, der dann letztlich doch nicht eingehalten wird. So ist doch der freudige Überraschungseffekt viel größer, nicht wahr?

Immerhin gibt es einige für meine Verhältnisse doch fundamentale Veränderungen, über die zu gegebener Zeit gesprochen werden wird. Technologie!

Bis dahin sei auf meinen Twitter-Account verwiesen, auf dem ich neben dem üblichen Gebrabbel als Quasi-Ersatz für das Blog in den vergangenen Tagen einige Kafka-Schnipsel verstreut habe.


Montagskaffee #13

Guten Morgen.

Nachdem nun schon vor einer ganzen Weile der Spiegel über Sascha Lobos und Christoph Kappes neues Projekt Sobooks berichtet hat (die wichtigsten Punkte des Artikels gibt es übrigens auch hier, hübsch kommentiert, im Sobooks-Blog), sollte das – da mittlerweile gestartet und laufend – auch hier eine Erwähnung finden. Was Lobo als den „Buchmarkt nach Amazon“ bezeichnet, ist eine Plattform, auf der gegen den geringen Einsatz der persönlichen Daten (und natürlich des Kaufpreises) Bücher, vielmehr E-Books, besprochen, geteilt, „geliked“ und kommentiert werden können. Der Clou ist dabei nicht die Konzentration auf die E-Books, sondern der plattformübergreifende Ansatz, der auch diejenigen unter uns ansprechen soll, die sich bisher aus vielseitigen Gründen Kindle, Tolino und Konsorten verweigert haben. Sehr löblich. Nun fehlen nur noch die Inhalte, die nach Abschluss einer Fehlerbeseitigungsinitiative nachgereicht werden sollen. Klingt fast so, als habe man das Konzept „Early Access“ auf die Buchbranche übertragen. Kuriose Randnotiz: Die Präsentation des digitalen E-Book-Projekts fand beinahe klassisch analog auf der Frankfurter Buchmesse statt. Man hätte ja auch eine Videokonferenz mit Live-Tweetup erwarten können.

Auf der Plattform Slashdot stand kürzlich Warren Ellis Leserfragen Rede und Antwort. Dabei sprach er auch über Adaptionen seiner Werke in anderen Medien, und wie er mit Ansprüchen und Enttäuschungen umgeht. Für Ellis sei das weniger ein Problem, als etwa für seinen Kollegen Alan Moore, auch wenn Interviewer Moore oft zum „Grumpy Wizard Of Northampton Cave“ stilisieren würden. Ja, der Film RED sei leichter gewesen, als seine Graphic-Novel-Vorlage. Aber Ellis sei bereit, seine Werke zur Adaption freizugeben, um anderen ihren Blick auf seine Geschichte zu ermöglichen. Interessanterweise hat auch Moore selbst in einem Interview jüngst über das Thema sehr ausführlich gesprochen, dies lässt sich im Originalton als Podcast in der Reihe Distraction Pieces nachhören, wo demnächst hier ein Interview mit Ellis zu hören sein wird ist.

Hat sich eigentlich schon jemals jemand gefragt: „Was macht der Jonathan Meese eigentlich gerade?“ Nun, eine gute Frage. Zuletzt hat man ihn in Bayreuth entlassen, nachdem der Festspielleitung Meeses Vorstellungen von Bühnenbild und Ausstattung für die Parsifal-Neuinszenierung 2016 „zu teuer“ waren. Meese selbst sieht das selbstverständlich nicht so, wittert Intriege und hält die Geldsorgen für vorgeschoben, weshalb er jetzt die Gelegenheit genutzt hat, auf dem Literaturfest München das ihm zur Verfügung stehende Mikrophon mit Beleidigungen und Tiraden vollzuspeicheln. „Kulturarschkriecher“, „Kunsthasser“ ruft er da in Richtung des grünen Hügels und ereifert sich – der obligatorische Hitlergruß inklusive – über das herrschende „miese, optimierte Mittelmaß“ und dass man beim Wagner-Clan bald eine „Götterdämmerung“ erleben werde. Liest sich launig und bedeutungslos und man darf sich gerne fragen, wer von den Rinnsteinschlagzeilen mehr profitiert, Meese oder Bayreuth.


Montagskaffee #9

Guten Morgen.

Plasma oder Papier? Die große Masse der Leser war noch nie dafür bekannt, stets einer Meinung zu sein, insofern war es nicht wirklich probematisch, dass man sich über die Frage nach klassisch analogem Buch oder digitalem E-Book-Reader wieder einmal in zwei Lager teilte. Nun allerdings zeigt sich, dass es mitnichten nur um Vorlieben oder Abneigungen gegen den digitalen Wandel geht, sondern dass auch im Gehirn unterschiedliche Prozesse ablaufen, je nachdem ob man von Papier oder Bildschirmen liest. Offenbar werden beim Lesen digitaler Inhalte andere Hirnregionen beansprucht, als durch das Lesen von Büchern. Problematisch daran ist, dass die Fähigkeit, konzentriert und tief zu lesen, abhanden kommt, wenn sie nicht regelmäßig genutzt wird. Was folgt, sind Konzentationsstörungen, weil das Hirn unbewusst die Buchseiten scannt und sich weniger an einzelnen Zeilen aufhält. Ein Punkt also für die Papier-Fraktion. So gut ist der Kindle eh nicht.

Auf io9.com rechnet Esther Inglis-Arkell mit der allzu oft romantisierten Vorstellung von Revolutionen in der Literatur ab. Das Problem vieler post- oder prä-revolutionärer Dystopien sei – neben Teenagern – dass die Revolutionen idealisiert und realitätsfern sind. In zehn Punkten zeigt sie auf, was so alles nicht stimmt, darunter die Vorstellung, es sei immer nur der böse Diktator schuld, nicht etwa vielleicht eine herrschende Elite oder Oberschicht. Auch beliebt: Uneingeschränkte Symmpathien und Unterstützung für die Helden durch Schmugglerbanden, die aber prinzipiell Teil des Systems sind und ihre Profite verlieren, wenn die Revolution obsiegt.

Apropos Groß gegen Klein und Papier gegen Plasma: Vergangene Woche hat der Online-Riese Amazon die neue Generation von Kindle und Fire-Tablet vorgestellt. Soweit, so unspektakulär.  Neu ist jedoch, dass es jetzt für den kostengünstigen Einstiegspreis von rund 150 US-Dollar eine Variante des Tablets für Kinder gibt. Schön bunt, vermeintlich unkaputtbar, und falls es doch zu Bruch geht (und das wird es, in Kinderzimmern gibt es kein „unzerstörbar“) ersetzt der Hersteller das Gerät in den ersten zwei Jahren ohne zu fragen. Höflich, nicht? Doch Amazon serviert hier eine Einstiegsdroge für die ganz Kleinen. Gedacht ist das Gerät nämlich für Kinder ab drei Jahren. Und obwohl es so daher kommt, ist es, wie Fridtjof Küchemann in der FAZ richtig bemerkt, mitnichten ein Spielzeug, sondern der Einstieg in die schöne neue Multimedia-Welt, in der Amazon den Kanon diktiert.


Montagskaffee #6

Guten Morgen.

Revolte! Die versammelten Redakteure des „Spiegels“ haben in der vergangenen Woche ihrem Chefredakteur die rote Karte gezeigt und gemeinsam gegen dessen Pläne eines „Spiegel 3.0“ gestimmt. In der FAZ lässt sich nachlesen, welch komplizierte Strukturen hier aufeinander prallen und weshalb eine Umstrukturierung des Magazins zum „Hauen und Stechen“ ausarte. An der Auseinandersetzung, die nicht zuletzt Chefredakteur Wolfgang Büchner den Job kosten könnte, zeigt sich die ganze Emotionalität des Konfliktes zwischen etablierten Rechercheredaktionen und schnelllebiger Online-Redaktion. Wie beide Lager zu vereinen sind, das ist jetzt ganz Aufgabe der Chefredaktion unter Büchner und Geschäftsführer Ove Saffe, die Gesellschafter haben sich nämlich geschlossen hinter die Neuerungspläne gestellt – und die Aufgabe der Vermittlung mit den Redakteuren ebenso geschickt abgegeben.

In der bunten Welt der Comicverfilmungen gibt es ab dieser Woche einen neuen Mitspieler, besser eine ganze Gruppe neuer Mitspieler: Marvels „Guardians of the Galaxy„. Bunt, lauter und nun mit einem frech-niedlichen Waschbären als Protagonist versucht Hollywood durch das Aufkochen einer durchaus schon älteren, aber in der Regel weniger beachteten Comicreihe neuen Wind in die etablierte Comicvielfalt zwischen Spider Man und Captain America zu bringen. Sophie Charlotte Rieger zeigt auf „filmosophie„, weshalb sie mit dem Film und seinem Informations- und Effektbombardement nicht einverstanden ist. Fehlende Einführung, klassische Geschlechterklischees und die Verharmlosung der brutalen Gewaltdarstellung sind ihre Hauptkritikpunkte.

Noch einmal zurück zum Kampf Analog gegen Digital. In der „taz“ schrieb jüngst Johannes Thumfart ein Loblied auf die Möglichkeiten und Inklusivleistungen des E-Books. Jetzt antwortet ihm Sonja Vogel und relativiert seine euphorischen Theorien. Das E-Book sei mitnichten besonders inklusiv, hinter den vermeintlich günstigen Produktionskosten stecke lediglich das kommerzielle Interesse von Großhändlern wie Amazon. Sie kommt dabei zu einem wichtigen Schluss: Natürlich gebe es bei E-Books weder Druck- noch Lagerkosten – doch die würden auch bei konventionellen Büchern nur einen geringen Teil der Kosten ausmachen. Teuer seien Lektorat, Honorare, Öffentlichkeitsarbeit und Autorenbetreuung – Punkte, auf die Verlage auch bei E-Books nicht verzichten können. Kaum ein Buch werde druckfertig geschrieben, und kaum ein Autor schafft es, sich im reinen Selbstvertrieb gegen die Marketingmaschinen etablierter Großhändler und Verlage durchzusetzen.