Schlagwort-Archive: Feuilleton

Montagskaffee #9

Guten Morgen.

Plasma oder Papier? Die große Masse der Leser war noch nie dafür bekannt, stets einer Meinung zu sein, insofern war es nicht wirklich probematisch, dass man sich über die Frage nach klassisch analogem Buch oder digitalem E-Book-Reader wieder einmal in zwei Lager teilte. Nun allerdings zeigt sich, dass es mitnichten nur um Vorlieben oder Abneigungen gegen den digitalen Wandel geht, sondern dass auch im Gehirn unterschiedliche Prozesse ablaufen, je nachdem ob man von Papier oder Bildschirmen liest. Offenbar werden beim Lesen digitaler Inhalte andere Hirnregionen beansprucht, als durch das Lesen von Büchern. Problematisch daran ist, dass die Fähigkeit, konzentriert und tief zu lesen, abhanden kommt, wenn sie nicht regelmäßig genutzt wird. Was folgt, sind Konzentationsstörungen, weil das Hirn unbewusst die Buchseiten scannt und sich weniger an einzelnen Zeilen aufhält. Ein Punkt also für die Papier-Fraktion. So gut ist der Kindle eh nicht.

Auf io9.com rechnet Esther Inglis-Arkell mit der allzu oft romantisierten Vorstellung von Revolutionen in der Literatur ab. Das Problem vieler post- oder prä-revolutionärer Dystopien sei – neben Teenagern – dass die Revolutionen idealisiert und realitätsfern sind. In zehn Punkten zeigt sie auf, was so alles nicht stimmt, darunter die Vorstellung, es sei immer nur der böse Diktator schuld, nicht etwa vielleicht eine herrschende Elite oder Oberschicht. Auch beliebt: Uneingeschränkte Symmpathien und Unterstützung für die Helden durch Schmugglerbanden, die aber prinzipiell Teil des Systems sind und ihre Profite verlieren, wenn die Revolution obsiegt.

Apropos Groß gegen Klein und Papier gegen Plasma: Vergangene Woche hat der Online-Riese Amazon die neue Generation von Kindle und Fire-Tablet vorgestellt. Soweit, so unspektakulär.  Neu ist jedoch, dass es jetzt für den kostengünstigen Einstiegspreis von rund 150 US-Dollar eine Variante des Tablets für Kinder gibt. Schön bunt, vermeintlich unkaputtbar, und falls es doch zu Bruch geht (und das wird es, in Kinderzimmern gibt es kein „unzerstörbar“) ersetzt der Hersteller das Gerät in den ersten zwei Jahren ohne zu fragen. Höflich, nicht? Doch Amazon serviert hier eine Einstiegsdroge für die ganz Kleinen. Gedacht ist das Gerät nämlich für Kinder ab drei Jahren. Und obwohl es so daher kommt, ist es, wie Fridtjof Küchemann in der FAZ richtig bemerkt, mitnichten ein Spielzeug, sondern der Einstieg in die schöne neue Multimedia-Welt, in der Amazon den Kanon diktiert.


Montagskaffee #8

Guten Morgen.

Es ist nicht mehr lange hin, bis auch in diesem Jahr wieder der Deutsche Buchpreis verliehen wird. Die Entscheidung ist bereits in die zweite Runde vorgedrungen, mittlerweile wurde die Shortlist veröffentlicht, auf der noch sechs Titel übrig geblieben sind. Neben Thomas Hettches historischem Preußenroman Pfaueninsel stehen noch auf der Liste: Angelika Klüssendorfs April, Gertrud Leuteneggers Panischer Frühling, Thomas Melles 3000 Euro, Lutz Seilers Kruso und Der Allesforscher von Bruno Steinfest.

Natürlich gerät die literarische Landschaft darüber alljährlich in helle Aufregung und so überrascht es wenig, dass die Debatten auch in diesem Jahr wieder mit verbitterter Vehemez geführt werden. Natürlich hätte es dieser und jener schon auf die Long- und erst recht auf die Shortlist schaffen müssen, vor allem die Frauen würden vernachlässigt und überhaupt sei die Auswahl doch eh stets zum Vorteil der Herbstautoren. Es überrascht, dass die Qualität der Bücher erst einmal keine Rolle zu spielen scheint, sondern vielmehr das Geschlecht der Autoren (respektive natürlich auch Autorinnen). Doch beißt sich nicht die Argumentation über arbiträre Auswahlkriterien hier selbst in den Schwanz, wenn indirekt eine Geschlechterquote gefordert wird, für die die literarische Qualität der Texte erst einmal zweitrangig ist? weiterlesen


Montagskaffee #7

Guten Morgen.

George Orwells dystopisches Meisterwerk 1984, in dem er bereits 1954 den dämonischen Hybriden aus totalitärem System und technologisierter Überwachung skizzierte, ist zurzeit in aller Munde. Nicht nur Gegner des Überwachungsstaates führen den Roman als Mahnung für mehr Datenschutz und Datensicherheit ins Feld, auch im Hinblick auf den Krieg in der Ukraine lohnt sich eine neue Lektüre. Timothy Snyder vergleicht im „Tagesspiegel“ das Vorgehen Putins in der Ukraine mit den Geschehnissen in Orwells Roman und führt dabei nicht nur den etwas wackeligen Vergleich zwischen dem fiktiven „Eurasien“ und einer gleichnamigen russischen außenpolitischen Doktrin ins Feld, sondern vor allem die russische Propaganda. Diese zeige auffällige Parallelen zum orwellschen „Doppeldenk“, das darauf beruht, dass Menschen „gleichzeitig zwei Meinungen vertreten können, die sich widersprechen, und trotzdem an beide glauben“. So müsse Russland eingreifen, weil der ukrainische Staat repressiv sei – und zugleich müsse es intervenieren, weil es keinen ukrainischen Staat gebe. „Krieg ist Frieden“.

Cornelius Gurlitt kommt nicht zur Ruhe. Nun hat man, nachdem der Münchener Kunsthändler am 6. Mai verstarb, in einem Koffer, den Gurlitt angeblich im Krankenhaus dabei hatte, einen weiteren Monet gefunden. So langsam gerät die Geschichte zur Posse, vermutlich taucht demnächst noch ein Picasso im Sockenfach auf.

Die Diskussionskultur im Internet war noch nie mit einem philosophischen Seminar vergleichbar, selbst an den oft zitierten Stammtischen pflegt man in der Regel weltoffenere und freundlichere Umgangsformen. Negative Spitzenreiter waren dabei stets Nonsensplattformen wie 4chan oder 9gag, aber auch Googles Videoplattform YouTube hadert seit je her mit Trollen, Rassisten und allerlei Unflat. Dass auch die viel kritisierte Einbindung der YouTube-Kommentare ins konzerneigene Netzwerk Google+ nichts gebracht hat, äußert sich nun an prominenter Stelle: Der mit mehr als 30 Mio. Abonnenten weltweit erfolgreichste „Let’s Player“ PewDiePie hat die Kommentarfunktion unter seinen Videos deaktiviert, wie „Golem“ berichtet. Dauerhaft, wie er selbst meint. Der erste ist er damit allerdings nicht, auch andere Größen wie der Brite John „TotalBiscuit“ Bain gingen bereits diesen Schritt. In Bains Fall sogar unmittelbar nach der Umstellung. Als Alternativen werden immer wieder Reddit, Twitter und Facebook genannt, wo die Interaktion mit den Zuschauern direkter und gehaltvoller sei.


Montagskaffee #6

Guten Morgen.

Revolte! Die versammelten Redakteure des „Spiegels“ haben in der vergangenen Woche ihrem Chefredakteur die rote Karte gezeigt und gemeinsam gegen dessen Pläne eines „Spiegel 3.0“ gestimmt. In der FAZ lässt sich nachlesen, welch komplizierte Strukturen hier aufeinander prallen und weshalb eine Umstrukturierung des Magazins zum „Hauen und Stechen“ ausarte. An der Auseinandersetzung, die nicht zuletzt Chefredakteur Wolfgang Büchner den Job kosten könnte, zeigt sich die ganze Emotionalität des Konfliktes zwischen etablierten Rechercheredaktionen und schnelllebiger Online-Redaktion. Wie beide Lager zu vereinen sind, das ist jetzt ganz Aufgabe der Chefredaktion unter Büchner und Geschäftsführer Ove Saffe, die Gesellschafter haben sich nämlich geschlossen hinter die Neuerungspläne gestellt – und die Aufgabe der Vermittlung mit den Redakteuren ebenso geschickt abgegeben.

In der bunten Welt der Comicverfilmungen gibt es ab dieser Woche einen neuen Mitspieler, besser eine ganze Gruppe neuer Mitspieler: Marvels „Guardians of the Galaxy„. Bunt, lauter und nun mit einem frech-niedlichen Waschbären als Protagonist versucht Hollywood durch das Aufkochen einer durchaus schon älteren, aber in der Regel weniger beachteten Comicreihe neuen Wind in die etablierte Comicvielfalt zwischen Spider Man und Captain America zu bringen. Sophie Charlotte Rieger zeigt auf „filmosophie„, weshalb sie mit dem Film und seinem Informations- und Effektbombardement nicht einverstanden ist. Fehlende Einführung, klassische Geschlechterklischees und die Verharmlosung der brutalen Gewaltdarstellung sind ihre Hauptkritikpunkte.

Noch einmal zurück zum Kampf Analog gegen Digital. In der „taz“ schrieb jüngst Johannes Thumfart ein Loblied auf die Möglichkeiten und Inklusivleistungen des E-Books. Jetzt antwortet ihm Sonja Vogel und relativiert seine euphorischen Theorien. Das E-Book sei mitnichten besonders inklusiv, hinter den vermeintlich günstigen Produktionskosten stecke lediglich das kommerzielle Interesse von Großhändlern wie Amazon. Sie kommt dabei zu einem wichtigen Schluss: Natürlich gebe es bei E-Books weder Druck- noch Lagerkosten – doch die würden auch bei konventionellen Büchern nur einen geringen Teil der Kosten ausmachen. Teuer seien Lektorat, Honorare, Öffentlichkeitsarbeit und Autorenbetreuung – Punkte, auf die Verlage auch bei E-Books nicht verzichten können. Kaum ein Buch werde druckfertig geschrieben, und kaum ein Autor schafft es, sich im reinen Selbstvertrieb gegen die Marketingmaschinen etablierter Großhändler und Verlage durchzusetzen.


Montagskaffee #5

Oh Captain! My Captain!

Welch dunkle Woche, in der nicht nur Peter Scholl-Latour und gestern der Historiker Wolfgang Leonhard verstarben, sondern vor allem Robin Williams, dessen überraschender Tod am vergangenen Montag die hektische Welt einen Augenblick hat inne halten lassen. Er, der mit seinen Rollen alle außer sich selbst zum Lachen brachte, starb, nachdem sein reiches und nie einfaches Leben zuletzt von schwerer Krankheit gezeichnet war. Die Welt verneigt sich vor seinem Ausnahmetalent, seiner chaotisch-anarchischen Art, die biedere Erwachsenenwelt immer wieder mit dem inneren Kind zu konfrontieren und seiner beeindruckenden intellektuellen Tiefe.

Andernorts gibt es Grund zum Optimismus. Zehn Jahre ist es her, seit bei einem verheerenden Brand große Teile der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar zerstört wurden. Obwohl circa 50000 Bücher durch Flammen und Löschwasser zerstört wurden, konnten erhebliche Teile der Bestände gerettet werden – nicht zuletzt durch den selbstlosen Einsatz von Feuerwehr und Anwohnern. Nach zehn Jahren zieht man nun Bilanz und zeigt die Ergebnisse der Restaurierungsarbeiten in einer Ausstellung, die ab 30. August in Weimar zu sehen sein wird.

Für Freunde der Science-Fiction gibt es seit einigen Tagen eine neue Anlaufstelle, wenn sie nach Anregungen und Empfehlungen suchen wollen. Schon vor einiger Zeit haben Nutzer der Diskussionsplattform Reddit in einer großen Sammelaktion versucht, die besten eigenständigen (d.h. keine Serien) Science-Fiction-Romane der letzten 25 Jahre zusammenzutragen. Aus der schieren Flut von über 2000 Antworten hat Nutzer zombie_wonderland in mühevoller Kleinarbeit nun eine ansprechende Liste zusammengetragen, die er auch auf seinem Blog präsentiert und um kurze Inhaltsangaben erweitert. Eine wahre Fundgrube!


Montagskaffee #4

Guten Morgen.

Der August ist traditionell Hochsaison der Festivals und darunter mag der geneigte Musikliebhaber durchaus seine ganz eigene Lieblingsmusik verstehen. Es ist daher auch gleichgültig, ob man sich den Elektrobeats beim Sonne-Mond-Sterne hingibt, in Bayreuth Wagneropern auf unbequemen alten Stühlen hört oder zum Komplettausrasten in ein kleines norddeutsches Dorf einfällt – nach Wacken. Das gleichnahmige Open Air ging am Wochenende klangvoll zum 25. Mal über die mittlerweile zahlreichen Bühnen und gab Peter Richter in der SZ Gelegenheit, lustvoll darüber zu sinnieren, dass sich Bayreuth und Wacken gar nicht so sehr voneinander unterscheiden. Gealterte Ikonen wie Lemmy Kilmister oder Ozzy Osbourne, die sich beide der 70 nähern, zeigen, dass Bier und Met mitnichten ein Jungbrunnen sind – und dass das überhaupt kein Grund ist, nicht trotzdem weiterzufeiern.

Wenn bei klassischen Werken alle Fakten beleuchtet und alle Inhalte interpretiert sind, bleibt oft nicht allzu viel Substantielles, über das es sich lohnen würde, eine Ausstellung zu konzipieren. Was also tun? Zahlenspiele bieten sich oft an, gerade wenn auch die zu betrachtende Person diesen nicht abgeneigt war. Und so zeigt das Bachhaus Eisenach zurzeit im 329. Jahr seit Johann Sebastian Bachs Geburt die Ausstellung „B+A+C+H = 14“ , über die Tim Caspar Boehme in der taz berichtet. Es würde mich nicht allzu sehr verwundern, wenn auch die Illuminaten irgendwo auftauchen.

Und dann reiht sich in die Liste Berliner Großbaustellen nun auch das Pergamonmuseum ein und schließt ab 29. September für (mindestens) fünf Jahre seine Türen, um Bauschäden und Schimmel zu beseitigen. Wer kann, sollte also noch einmal die Gelegenheit nutzen, die Reliefs des Pergamonaltars zu betrachten – wer weiß, wie lange man hier tatsächlich brauchen wird. Im Fertigstellen von Projekten sind die Berliner ja nicht allzu versiert.


Montagskaffee #3

Guten Morgen.

Vor genau 100 Jahren, am 28. Juli 1914, begann nach dem Attentat auf den österreich-ungarischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand der Erste Weltkrieg. Mehr als vier Jahre lang hielt das erstmals mit modernen technischen Mitteln ausgeführte Menschenschlachten Europa in seinem eisernen Griff. Der Krieg kostete nicht nur mehr als 17 Millionen Menschenleben, sondern brachte auch eine unvorstellbare Entwertung des Individuums durch die Industrialisierung des Tötens und weitete den Kampf neben Boden und See auch auf die Luft aus.

Aus Anlass dieses unrühmlichen Jubiläums gibt es zurzeit allerorten Retrospektiven, Dossiers und jede Menge neue Fachbücher, von denen Christopher Clarks Bestseller Die Schlafwandler sicher am intensivsten diskutiert wurde. Ebenfalls in aller Munde ist Erich Maria Remarques Klassiker Im Westen nichts Neues, von dem jüngst eine Neuinterpretation in Form einer Graphic Novel von Peter Eickmeyer erschien. Der zuvor nur als Maler bekannte Autor hinterlegt eine gekürzte Fassung des Romans mit eindrucksvollen Bildern, schrammt damit aber am Anspruch, eine Graphic Novel zu sein vorbei – wie Ute Friederich in der „Kritischen Ausgabe“ begründet.

Ich persönlich empfehle als Lektüre Schönheit und Schrecken von Peter Englund. Darin entwirft er eine eindrucksvolle Chronik der Kriegsereignisse aus der Sicht von 19 Einzelfiguren, die auf authentischen Dokumenten und Tagebuchaufzeichnungen beruht. Englund ermöglicht damit Einblicke in Kriegsschauplätze, die in den meisten Darstellungen des Ersten Weltkrieges nur spärlich betrachtet werden und in das Leben und Sterben einzelner Individuen wie der Schülerin Elfriede Kuhr im ostpreußischen Schneidemühl oder dem italienischen Infanteristen Vincenzo D’Aquila an der Isonzofront. Englunds Buch ist keines über das Warum des Krieges, sondern über sein Wie und Wen er betraf. Seine Portraits sind kleine Schlaglichter in das Dunkel des Massensterbens.


Montagskaffee #2

Guten Morgen.

In der nun eigentlich schon längeren Tradition von weiblichen Superhelden will nun auch Marvel mitmischen und geht einen gewagten Schritt: Thor, der nordische Donnergott mit Eisenhammer, zuletzt übermaskulin verkörpert von Chris Hemsworth, wird kurzerhand zur Frau. Genderbend nennt sich das, was in der Cosplay-Szene schon länger umgesetzt wird. Schade eigentlich, dass die FAZ das Thema nur mit einem vor abgegriffenen Geschlechterklischees triefenden Artikel behandelt.

[Nachtrag]: Tim Buckley führt etwas genauer aus, weshalb er die plötzlichen Bemühungen Marvels um mehr Diversität für unausgegoren hält – und zeichnet dazu auch einen netten Comic.

Bleiben wir noch kurz bei Filmen. Wer gerne Verrisse liest, für den ist mit Transformers 4: Ära des Untergangs gerade genau der richtige Film erschienen. Die beste Einschätzung stammt meiner Meinung nach von Alan Jones: „The cinematic equivalent of being repeatedly hit over the head with a food mixer.“ Nur bei Axel Springer hält man die 165 Minuten Nonsens für einen „Knaller„. Überraschung.

Bereits am Freitag hätte Hunter S. Thompson seinen 77. Geburtstag gefeiert. Grund genug für die LA Times, sein Werk zu feiern und vier „Must Reads“ vorzustellen. Runder hingegen wäre der 80. Geburtstag Uwe Johnsons, den dieser am Sonntag gefeiert hätte. Sabine Vogel ehrt den schon 1984 verstorbenen Autor in der Berliner Zeitung mit einer anerkennenden Rekapitulation seines zerrissenen Lebens.

Ebenfalls am Sonntag jährte sich das Attentat vom 20. Juli zum 70. Mal. Das mittlerweile zum Leitmotiv des Widerstands im „Dritten Reich“ in die Erinnerungskultur integrierte Attentat wurde jedoch nicht immer als durchweg vorbildlich aufgefasst. Der Österreicher Alfred Hrdlicka beispielsweise schuf über das Attentat einen 53-teiligen Bilderzyklus, in dem er sich kritisch, provokativ und lautstark mit den schwelenden Gefahren von Militarismus, Ordnungswahn und Gewalt auseinandersetzt. Der aufwühlende Zyklus ist noch bis zum 29. August im Willy-Brandt-Haus in Berlin zu sehen.