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Ottos Mops hopst online

Unter dem etwas kryptischen Link http://jandl.onb.ac.at/ ist ab sofort das Projekt „Ernst Jandl Online“ erreichbar. Auf der eingänglich und ansehnlich gestalteten Webseite, die sich als „Biblio-Biographie“ versteht, hat Vanessa Hannesschläger unter Beteiligung des Ludwig Boltzmann Instituts für Geschichte und Theorie der Biographie und des Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek die bislang umfassendste Sammlung zum Leben und Werk des österreichischen Lyrikers versammelt. Hannesschläger meint, „Ernst Jandl Online“ präsentiere das jandelsche Gesamtwerk „dem digitalen Raum entsprechend in seine ‚Pixel‘ zersplittert“ und überlasse es dem Nutzer, diese Puzzleteile zu einem sinnvollen Bild zusammenzubauen. Jandl hätte wohl seine Freude daran.

Dabei gelingt es dem Projekt, nicht nur Bibliographie zu sein, sondern ein Netzwerk zu knüpfen zwischen Jandels Quellen und Metainformationen wie Erscheinungsorten, beteiligten Personen oder Sekundärliteratur. Zwischen den einzelnen Ebenen kann fließend gewechselt werden, Enthusiasten und Forscher werden daran gleichermaßen Freude und Nutzen finden. Eine besondere Perle sind dabei sicher die als Scans zu betrachtenden Manuskripte und Typoscripte aus Jandls Nachlass, die als „Bio-Bibliographien“ aus der Hand Jandls selbst das Projekt nicht nur um eine dritte Ebene nach Bio- und Bibliographie ergänzen, sondern auch einen spannenden Einblick in das Selbstbild des Autors bieten.

Otto: Hopp, hopp!


bluehirsch | Clara Hirschmanner

Zwischen sanfter Sprache und heiter ironischen Spielideen bewegt sich die österreichische Künstlerin Clara Hirschmanner, aka bluehirsch. Auf ein bestimmtes Image oder gar eine einzelne Kunstform lässt sich die vielseitige Linzerin allerdings nicht festlegen. Sie ist an verschiedenen Gemeinschaftsprojekten beteiligt, stickt nerdige 8-bit-Bilder in Buttongröße und entwirft performative Spiele, einer nach eigener Aussage in Österreich eher unterschätzten Kunstform.

 

Neubeginn

Völlig aufgehen in den Klängen,
die die Welt durchziehen und
ein dumpfes Rauschen in meiner
Ohrmuschel zurücklassen,
welches an die Wellen des Meeres
erinnert. Mit Seemöwen und
Tagpfauenaugen Pirouetten durch
die Landschaft ziehen. Und mir
meinen Weg durch Lebenswelten
wie eine Dampflok bahnen.

Hüpfend wie ein kleines Kind
die Pfützen zu Ozeanen erklären.
Mutig mit den Schatten an den Wänden
neue Abenteuer bestreiten und
der geheime Geschichte der
Schranktüre lauschen. Bis alles
in tiefer Geborgenheit endet,
und wir am Anfang angekommen sind.

 

In Ihren Gedichten zeichnet sie feine Gedankenbilder von Sehnsucht, Ein- und Zweisamkeit, Fernweh und Erinnerung. Mit verspielt-vertrauter Sprache, die nur auf den ersten Blick leise erscheint, wandert sie in ihren Texten durch Regennächte und Winternachmittage, um mit feinem Gespür die besonderen Momente im Alltag zu erfassen. Die vordergründig eingesetzte Melancholie läuft dabei keinesfalls Gefahr, zum Kitsch abzugleiten, sondern wirkt eher wie ein Katalysator und schafft Raum, um die Gedanken hoffnungsvoll schweifen zu lassen.

Nachzulesen sind ihre empfehlenswerten Gedichte in ihrem Lyrikblog. Mehr über ihre Person und Projekte findet sich auf bluehirsch.at.