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Montagskaffee #30

Guten Tag.

“If you go home with somebody, and they don’t have books, don’t fuck ‚em!” John Waters hat das legendär-lakonisch zusammengefasst, und auch die Deutschen scheinen sich diesen Rat zu Herzen zu nehmen. Dies zumindest suggerieren die Ergebnisse einer Umfrage der Initiative „Vorsicht Buch!“. Die hat nämlich herausgefunden, dass 27,5 Prozent der Befragten über 14 Jahre im ersten unbeobachteten Moment in einer fremden Wohnung das Bücherregal inspizieren. Zeig mir deine Bücher und ich sage dir, wer du bist. Interessant: Der Trend ist besonders stark bei den 30- bis 39-Jährigen (32,7 Prozent!) und bei Gästen aus dem Saarland (31,7 Prozent) und Schleswig-Holstein (31,4 Prozent). Gewarnt sei indes vor Gästen aus Hamburg, 4,5 Prozent von denen scheuen sich nicht davor, auch mal einen Blick in geschlossene Schubladen zu werfen.

Der deutsche Penguin Verlag hat vor Kurzem sein erstes Programm für 2016/17 veröffentlicht und bietet in Taschenbuch und Broschur „Masse und Klasse“ gleichermaßen, also das Beste aus Literatur und Unterhaltung, populärem Wissen, Humor und anspruchsvollem Sachbuch. Das zumindest verkündet Verlagschef Thomas Rathnow in der eigens aufgezeichneten Videobotschaft. Dass ein Verlagschef selbst das Programm kurz vorstellt, ist zumindest einmal ungewöhnlich, die Art und Weise – nunja – zumindest gut gemeint. Modern und jung will man sich geben bei Penguin (und parallel Homer und Harper Lee verkaufen), aber so richtig locker-flockig kommt das noch nicht rüber. Die Mitten-im-Satz-Pause mit dem kleinen Pinguin muss man mir auch noch einmal erklären. Also lieber Herr Rathnow, bitte die Idee beibehalten! Vielleicht ist es beim nächsten Mal schon etwas spritziger!

Apropos locker-flockig. Wer für das Wochenende noch kurzentschlossen eine Beschäftigung sucht, der kann sich ja nach Temeswar begeben. Dort veranstalten die Forschungsplattform Elfriede Jelinek und das Elfriede Jelinek-Forschungszentrum am 9. und 10. Juni 2016 ein interdisziplinäres Symposium am Deutschen Staatstheater unter dem Titel „SCHREIBEN ALS WIDERSTAND. Elfriede Jelinek & Herta Müller“. Dabei sollen – als dritter Teil einer mehrteiligen Veranstaltungsreihe – nun die öffentlichen politischen Positionierungen von Jelinek und Müller und aktuelle Inszenierungen von Werken beider Autorinnen thematisiert werden.

 


Penguins Papierladen in Puerto Rico

Während allerorten das Ende der Buchbranche beschworen wurde und digital-versierte Karohemdträger aus dem Silicon Valley kaum noch ohne ihre Kindles, Tolinos, Kobos, iPads und wasnichtnoch zu sehen waren, trieb Amazon das Prinzip „retro“ auf ein neues Level und eröffnete in Seattle einen eigenen Buchladen. Brick-and-Mortar, wie man in Übersee sagt, mit luftig-übersichtlichen Regalen, Kundenbetreuern und einem aus Kundendaten generierten Angebot. Verrückt.

Mittlerweile hat sich die Sachlage etwas normalisiert, der Hype um die digitalen Bücher ist erwartungsgemäß auf ein eher ruhiges Niveau abgeflacht und auch der E-Book-Absatz ging zuletzt etwas zurück. Nun macht Penguin Random House Schlagzeilen, indem man sich auf eine alte Verlegertradition besinnt und einen eigenen Buchladen aufmacht.

Starten soll das Projekt zunächst in Puerto Rico in der Hauptstadt San Juan in Zusammenarbeit mit der örtlichen Buchhandelskette The Bookmark. Auf rund 300 Quadratmetern soll es etwa 1.000 Titel von PRH geben, eine Kinderecke und Literatur für Jugendliche und junge Erwachsene. JR Blue Label, Mutterunternehmen von The Bookmark, ist naturgemäß begeistert, mit dem größten Publikumsverlag der Welt zusammenzuarbeiten („Wachstumsmöglichkeiten“!) und auch PRH selbst gibt sich überschwänglich und fährt die große PR-Maschine hoch. „Das ist wirklich etwas ganz neues für uns“, verkündete PRH-Marketingdirektor Cyrus Kheradi.

Nicht wirklich. Offenbar hat man sich bei PRH schon ein ganzes Stück von der eigenen Vergangenheit entfremdet, denn zu PRH gehört der US-Verlag Doubleday. Und der hatte sogar eine ganze Kette von Buchhandlungen, bis PRH diese 1990 vier Jahre nach der Übernahme an Barnes & Noble verkaufte. Aber zugegeben, mit „Wir probieren jetzt einfach, was wir vor 25 Jahren eigentlich abgeschrieben hatten“, lässt sich ja kaum Aufmerksamkeit erregen.