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Montagskaffee #3

Guten Morgen.

Vor genau 100 Jahren, am 28. Juli 1914, begann nach dem Attentat auf den österreich-ungarischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand der Erste Weltkrieg. Mehr als vier Jahre lang hielt das erstmals mit modernen technischen Mitteln ausgeführte Menschenschlachten Europa in seinem eisernen Griff. Der Krieg kostete nicht nur mehr als 17 Millionen Menschenleben, sondern brachte auch eine unvorstellbare Entwertung des Individuums durch die Industrialisierung des Tötens und weitete den Kampf neben Boden und See auch auf die Luft aus.

Aus Anlass dieses unrühmlichen Jubiläums gibt es zurzeit allerorten Retrospektiven, Dossiers und jede Menge neue Fachbücher, von denen Christopher Clarks Bestseller Die Schlafwandler sicher am intensivsten diskutiert wurde. Ebenfalls in aller Munde ist Erich Maria Remarques Klassiker Im Westen nichts Neues, von dem jüngst eine Neuinterpretation in Form einer Graphic Novel von Peter Eickmeyer erschien. Der zuvor nur als Maler bekannte Autor hinterlegt eine gekürzte Fassung des Romans mit eindrucksvollen Bildern, schrammt damit aber am Anspruch, eine Graphic Novel zu sein vorbei – wie Ute Friederich in der „Kritischen Ausgabe“ begründet.

Ich persönlich empfehle als Lektüre Schönheit und Schrecken von Peter Englund. Darin entwirft er eine eindrucksvolle Chronik der Kriegsereignisse aus der Sicht von 19 Einzelfiguren, die auf authentischen Dokumenten und Tagebuchaufzeichnungen beruht. Englund ermöglicht damit Einblicke in Kriegsschauplätze, die in den meisten Darstellungen des Ersten Weltkrieges nur spärlich betrachtet werden und in das Leben und Sterben einzelner Individuen wie der Schülerin Elfriede Kuhr im ostpreußischen Schneidemühl oder dem italienischen Infanteristen Vincenzo D’Aquila an der Isonzofront. Englunds Buch ist keines über das Warum des Krieges, sondern über sein Wie und Wen er betraf. Seine Portraits sind kleine Schlaglichter in das Dunkel des Massensterbens.